
Blog KW 41 | Haxenhaus Köln – Geschichte und Geschichten direkt am Rheinufer
Eine Geschichte aus dem mittelalterlichen Köln über einen verzweifelten Vater, einen Kreuzzug und eine großzügige Stiftung. Und über ein historisches Haus direkt am Rheinufer von Köln, in dem heute knusprige Schweins-Haxen serviert werden.
Köln, um das Jahr 1218
Im Schankraum des Hauses Halverogge, dort, wo heute das historische Restaurant Haxenhaus zum Rheingarten seine Gäste empfängt, saßen zwei Mönche aus der nahe gelegenen Benediktinerabtei Groß St. Martin bei einem Krug frisch gebrauten Bieres.
Das Haus lag unmittelbar am Rheinufer von Köln, wo Händler, Schiffer und Kaufleute ihre Geschäfte abwickelten. Schon in der Römerzeit war dieser Standort von großer Bedeutung gewesen. Die Geschichte des Grundstücks reicht möglicherweise bis in jene Epoche zurück.
Bruder Anselm beugte sich zu seinem Ordensbruder Konrad hinüber.
„Hast du schon gehört? Unser Heinrich Halverogge hat der Stadt Köln ein ganzes Hospital gestiftet!“
„Ein ganzes Hospital?“, staunte Konrad. „Der Mann muss ja mehr Silber besitzen, als unser Abt Gebete kennt!“
„Nun, arm ist er wahrlich nicht. Häuser und Grundstücke besitzt er in mehreren Pfarreien unserer Stadt. Aber diesmal geht es ihm wohl weniger ums Irdische als ums Himmlische.“
„Wie meinst du das?“
Anselm senkte die Stimme.
„Sein Sohn Waldaverus ist doch mit den Kreuzfahrern ins Heilige Land gezogen. Heinrich hat ihn schweren Herzens ziehen lassen. Und nun hofft er wohl, dass der liebe Gott seine großzügige Stiftung mit einer gesunden Heimkehr seines Sohnes belohnt.“
Konrad kratzte sich nachdenklich am Kopf.
„Du meinst, unser Heinrich möchte sich mit einem Hospital ein wenig göttlichen Beistand erkaufen?“
„Pssst! Nicht so laut!“, flüsterte Anselm. „Aber ein gutes Wort beim Allmächtigen kann schließlich niemandem schaden.“
„Und wer soll dieses Hospital betreuen?“
„Der Deutsche Orden! Jene Ritterbrüder, die sich im Heiligen Land um Kranke und Verwundete kümmern. Das Hospital soll der heiligen Katharina geweiht werden.“
Konrad hob seinen Bierkrug.
„Eine wahrhaft christliche Tat! Aber was sagt der Rat unserer Stadt Köln dazu?“
„Der hat sich bereits eingeschaltet. Man will sogar einen Brief an den Heiligen Vater nach Rom schicken, um die Angelegenheit kirchlich abzusichern.“
„Nach Rom?“, rief Konrad. „Beim heiligen Martin! Dann wird aus unserem Heinrich ja noch ein berühmter Mann!“
„Berühmt vielleicht. Aber glücklich? Das wird sich erst zeigen, wenn sein Sohn heimkehrt.“
Die beiden schwiegen einen Augenblick.
Draußen am Rheinufer knarrten die Taue der Lastkähne. Händler riefen ihre Preise aus, und irgendwo schlug eine Kirchenglocke.
„Weißt du“, sagte Konrad schließlich, „Heinrich hat doch noch einen Sohn, unseren Bruder Hermann, der in unserer Abtei Groß St. Martin lebt.“
„Gewiss. Der eine Sohn dient Gott im Kloster, der andere zieht mit dem Schwert ins Heilige Land. Und der Vater versucht, beiden gerecht zu werden.“
Konrad nahm einen tiefen Schluck.
„Dann wollen wir hoffen, dass der Himmel Heinrichs Stiftung wohlwollend betrachtet.“
Der verlorene Sohn – eine tragische Geschichte aus Köln
Doch der Himmel hatte offenbar andere Pläne.
Waldaverus kehrte, so erzählt es die Überlieferung, niemals aus dem Orient zurück.
Heinrichs Hoffnung auf ein Wiedersehen erfüllte sich nicht. Sein gestiftetes Hospital aber sollte die Erinnerung an seine Familie überdauern.
Und damit nicht genug: Der Name Halverogge blieb noch über Generationen mit dem Haus am Buttermarkt verbunden, obwohl längst andere Eigentümer darin wohnten.
Eine alte Überlieferung vermutet sogar, dass die spätere Hausbrauerei ihren Namen „Zum verlorenen Sohn“ diesem tragischen Schicksal verdankt. Bewiesen ist dieser Zusammenhang allerdings nicht.
Das Haxenhaus Köln – wo mittelalterliche Geschichte lebendig bleibt
Wer heute das historische Haxenhaus direkt am Rheinufer von Köln, an der Frankenwerft in der Kölner Altstadt, besucht, kann im Erdgeschoss an der Südwand ein außergewöhnliches Zeugnis dieser Geschichte entdecken:
Die Kopie des ältesten überlieferten Briefes des Kölner Rates an einen Papst, datiert auf 1218/1219, mit dem historischen Siegel.
Das Schreiben steht im Zusammenhang mit Heinrich Halverogges Hospitalstiftung und verbindet die Geschichte des Hauses unmittelbar mit der Stadtgeschichte Kölns.
Die historischen Aufzeichnungen zum Haxenhaus reichen bis in das Jahr 1178 zurück. Doch die Geschichte dieses besonderen Standortes könnte noch wesentlich älter sein.
Von der Römerzeit bis heute – Geheimnisse unter dem Haxenhaus
Schon zur Römerzeit befand sich hier am Rheinufer ein bedeutender Übergang über den Fluss. Die im Jahr 336 unter Kaiser Konstantin errichtete Rheinbrücke verband das römische Köln mit dem gegenüberliegenden Rheinufer.
Es wird vermutet, dass sich unter dem Gewölbekeller des heutigen Haxenhauses noch Überreste dieser römischen Brückenkonstruktion befinden könnten. Archäologisch gesichert ist diese Vermutung bislang nicht.
Ein weiteres faszinierendes Zeugnis der langen Hausgeschichte ist der alte Brunnen im Keller des Haxenhauses. Er erinnert an die Zeiten, als die Versorgung mit Wasser für die Bewohner, Brauer und Wirte des Hauses lebensnotwendig war.
Wer durch die historischen Räume geht, begegnet also nicht nur der Geschichte des mittelalterlichen Kölns, sondern auch den Spuren einer Vergangenheit, die möglicherweise bis in die Römerzeit zurückreicht.
Knusprige Schweins-Haxen im historischen Haxenhaus am Rhein
Heute ist das Haxenhaus zum Rheingarten ein traditionsreiches Restaurant in der Kölner Altstadt, direkt am Rheinufer von Köln.
Wo einst Mönche, Kaufleute, Schiffer und Brauer bei einem Krug Bier zusammensaßen, genießen heute Gäste aus Köln und aller Welt knusprige Schweins-Haxen, rheinische Spezialitäten, hausgemachte Bratwürste und frisch gezapftes Kölsch.
Das denkmalgeschützte Haus verbindet damit zwei besondere Erlebnisse: die kulinarische Tradition des Rheinlands und die faszinierende Geschichte einer Stadt, die seit der Römerzeit vom Handel und vom Leben am Rhein geprägt ist.
Und so erzählt das Haxenhaus nicht nur Geschichten von Kaufleuten, Mönchen, Brauern und Wirten, sondern auch von einem Vater, der alles daransetzte, seinen Sohn wohlbehalten wiederzusehen.
Die Zeiten ändern sich. Die Sorgen der Eltern um ihre Kinder bleiben dieselben.
Und Bruder Konrad hätte vermutlich gesagt:
„Ein Gebet zum Himmel ist gut. Ein Hospital für die Kranken noch besser. Aber ein Sohn, der gesund nach Hause kommt, wäre das schönste Geschenk gewesen.“
Vielleicht hätte er danach noch einen Schluck Bier genommen und hinzugefügt:
„Und wenn der liebe Gott schon keine Wunder vollbringt, dann möge er uns wenigstens einen guten Wirt und einen vollen Bierkrug erhalten!“
Historischer Hinweis: Die Stiftung Heinrich Halverogges und der Ratsbrief von 1218/1219 bilden den historischen Kern dieser Geschichte. Die Gespräche der beiden Mönche sind frei erfunden. Auch das Schicksal des Sohnes und die Herleitung des Brauereinamens „Zum verlorenen Sohn“ beruhen auf Überlieferungen und sind nicht als gesicherte historische Tatsachen zu verstehen. Die vermuteten römischen Baureste unter dem Haxenhaus sind ebenfalls nicht abschließend archäologisch nachgewiesen.
