Typisch kölsch… Schäl Sick

In Köln weiß so gut wie jeder, was mit dem Ausdruck Schäl Sick gemeint ist. Und auch wenn dies durchaus despektierlich klingt und sich die Kölner damit immer wieder ihren Spaß erlauben, ist es nicht so böse gemeint und muss mit der richtigen Portion an kölscher Ironie verstanden werden. Denn mit der Schäl Sick ist nichts Geringeres gemeint als die rechte Rheinseite.

Schäl heißt im Rheinischen soviel wie „falsch“ und kommt vom kölschen Wort „schäle“ für blinzeln, verwandt mit „schielen“ oder „scheel anblicken“. Eine möglich Erklärung liegt in der frühmittelalterlichen religiösen Trennung der beiden Rheinseiten. Die Römer besiedelten am Niederrhein nur die linke Seite des Flusses. Der Rhein selbst bildete die Grenze zum Römischen Reich. Während sich das Christentum in den römischen Gebieten weit verbreiten konnte, blieben die Germanen auf der anderen Rheinseite davon noch lange unbeeinflusst. Die linksrheinischen Christen betrachteten die rechtsrheinischen Bewohner als Heiden, die dem Odin huldigten, welcher als einäugiger, schielender germanische Gott bekannt ist, der bei den Christen als hinterlistig, tückisch und unberechenbar galt. Die Schäl Sick war demnach die Rheinseite, auf der die unkultivierten Barbaren ihren schälen Odin verehrten.

Der gemeine Volksmund spricht bis heute von der Schäl Sick, wenn er die rechsrheinische Seite meint. Dabei gesteht er ihr, in all ihrer „Falschheit“ wenigstens eine nützliche Funktion zu, nämlich diese, dass man von ihr aus auf die richtige, die linksrheinische Seite blicken kann!

cologne 964695 1920

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